kleine raupen
stolpern kichernd
über buchstaben

Seit jeher lebten vier kleine Raupen unbekümmert vor sich hin, frei in ihrem Sein, und frei in ihrem Ausdruck, jahrein, jahraus. Doch wurde ihre spätwinterliche Vorfreude auf den Frühling bald getrübt. Um sie herum; hustende Läuse! Hatten diese etwa zu viel mit sorglosen Milben gekuschelt? Oder war es die Menschheit, die vom Zaster verfaulte, die den Staub ihres Wahns hat vergessen wegzuwischen, in ihrer trägen Verkommenheit? Solches fragten sich die Raupen, denn ihre ganze Existenz fing auf wundersame Art und Weise Risse. Fortan durften sie ihr Gesicht nicht mehr zeigen, geschweige denn sich zu nah zu kommen. Die vier waren; Autor Bernd Rosinski, der Verlag «Michael Books», der italienische Illustrator «Guido», «Helmut Satz und Druck», und man schrieb das Jahr zweitausendzwanzig unter den Devisen – Obacht! Achtung! Aufpassen!

Zusammengepfercht und eingeschlossen, so vergingen für die in Schieflage geratenen die Tage, und mit der Hoffnung auf einen Ausweg wuchsen auch der Unmut und die Zweifel. Es grübelten die vier kleinen Raupen und überlegten hin und her: Sollten wir wirklich? Aber uns bleibt nichts Anderes übrig! Doch war es ihre einzige Überlebensmöglichkeit, und so stimmten sie mit hochgerissenen Fühlern im Tenor überein: Nur durch die guido Verlagsgruppe bleiben wir stark! Und so war es um die Gründung der guido Verlagsgruppe bMgh (beschränkte Mittel gründen hoffnungsvoll) und um die vier Raupen geschehen, dass eine malte, die andere schrieb, die dritte mit den Buchstaben jonglierte, die vierte aber alles in eine Form zu bringen versuchte.

Über immer dunkler werdende Tage kicherten die Raupen nun nur noch. Im treibenden Kampf gelang ihnen nämlich endlich der Durchbruch. Guido ist keine Idee, guido ist ein Viruzid! Jubelnd und in bester Laune präsentierten sie ihr erstes viruzides Mittel und nannten es «Stellarer Sog». Mit Salbutamol befeuert, hatte dieses die Absicht, genervte Quarantänierte in eine Welt surrealistischer Phantastik zu entführen, die mit absurder Komik nicht spart und mit einer unterschwelligen Ernsthaftigkeit gesellschaftliche Fragen aufwirft. Ganz abseits des großen C’s, oder anderen, bunt lackierten Zehennägel, daheim auf dem Sofa.

Eines frühen Morgens, nach einer weiteren durchkicherten Nacht, da klopfte es an ihrem Kokon und hallte durch die dünn gesponnene Seidenwand. Ihr mit euren Buchstaben, ihr seid doch noch von gestern! Es durchzuckte die vier Kleinen und gleichsam wallten sie vor Neugier. Wer mag uns zu solch unsäglicher Stunde stören?

Ich bin der Komodowaran. Ich habe Comics im Sack. Ihr verpennt da drinnen euer halbes Leben! Die vier Raupen wurden stutzig. Aber, aber darf man denn wieder raus? Wir sind doch noch gar nicht bereit. Der Komodowaran war aber einer von der selbstbewussten Art. Das nicht, aber scheißt doch einfach drauf!

Die im Winterschlaf schon fast in Vergessenheit geratene, jugendliche Unbekümmertheit, das naive Frohlocken am Moment und das kesse Kratzen am Fundament, all das konnte der Komodowaran in den Raupen wieder wecken.

Und so bastelten sie an weiteren Stoffen; einer Neuauflage eines in Vergessenheit geratenem surrealen Zweierlei. «Zeilenwandern» kombinierte Infrarotfotografien mit automatischen Texten. Eine meditative Untersuchung des Unbewussten. Kaulquappen die von Tastaturen träumten, denn lyrische Füchse bauen ja schließlich nicht für Frösche, sondern damit sie darin gemütlich Zigaretten rauchen können.

Auch der Komodowaran war stolz auf seine erste Veröffentlichung. In seinem atmosphärischen und bildgewaltigen Comic «Niemand im Schnee» erzählte er von etwas Echtem, etwas Gerechtem, dem einzigen Gesetzgeber, dem man nicht widersprechen konnte.

Ehrfürchtig applaudierten die Raupen, die gewöhnlich Regeln Hops nahmen, doch sich auch dieser Gewalt unterworfen sahen.

guido Verlagsgruppe