»Stellarer Sog« Postkarte

Stellarer Sog

Der Debütroman von Bernd Rosinski – exklusiv in der guido Verlagsgruppe!

Protagonistin lebt in dieser anachronistischen & postfeministischen Dystopie eine Neunerbahnfahrt ohne Sicherung. Ihr Mann ist nur noch eine zu Eis erstarrte, blasse Bifi. Alles wackelt. Doch sie bleibt standhaft. Die Prototypin einer, sich im Endstadium befindenden, kapitalistischen Leistungsgesellschaft weiß zeit- und selbstoptimiert mit jeder Situation umzugehen. Aber dann wird sie von einer chinesischen Sklavenhändlerdrohne beleidigt! Im Kampf gegen ihr angekratztes Selbstbild und die Zukunft, muss sie sich so einigen Prüfungen stellen. Ein neuer Ort! Neue Freunde! Neue Feinde! Zur Beruhigung erst mal eine Stange feinsten, kubanischen Tabak.

»Dieses außergewöhnliche Buch spendet jedem Leser Mut, Humor und Wärme … im Kamin.«

Ivica Maksimovic

Die Ausgangslage der 186 cm hochgewachsenen und 219,99 kg schweren Führungsposition eines Autoherstellers gründet auf einer emotionalen Unzufriedenheit über ihre Lebenssituation. Der bisherige Lebenspartner wird ohne Zweifel vor die Tür gesetzt, und eine verschollene Packung Gummibären symbolisiert größtes Glück, in einer Welt wo Haribo nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist. Pragmatisch und ohne zu zögern nimmt sie Abschied mit einer absurden Auswahl an Gepäck: «Einen Jahresvorrat an Salbutamol (ein Mittel gegen bronchiale Leiden), zwei Stangen feinsten, kubanischen Tabak, meinen 43 Zoll LED Fernsehapparat, meine zwei Hauskrähen, eine Bif für zwischendurch, ein bisschen Wäsche und mein Lieblingssofa aus konserviertem Rinderhack.» Alles andere scheint nicht wirklich essentiell bzw. überlebensnotwendig zu sein.

Selbstbewusst, ohne Furcht, forsch, derb, beleidigend, gehässig, konfrontativ, ausdauernd, mutig, eiskalt, kriegerisch, einfallsreich und spontan zugleich, kreiert Rosinski eine überaus besondere und einzigartige Hauptprotagonistin des weiblichen Geschlechts. Typische Eigenschaften für Weiblichkeit, wie beispielsweise Einfühlungsvermögen, soziale Mitverantwortung, innere Schönheit oder Warmherzigkeit, sucht man hier vergebens. Ein besonders hervorzuhebendes, leicht verstörendes, jedoch grenzüberschreitendes Hobby, stellt das gesellschaftliche Abbluten während der Periodizität in der Öffentlichkeit dar. Gesellschaftliche Tabuthemen – egal.

Rosinski skizziert hier eine Variante des Typs Frau, die vermehrt mit männlichen Attributen ausgestattet ist. Dominanz, Kälte und Härte haben sich wohl evolutionär durchgesetzt – nur eben nicht das männliche Geschlecht. Welches bereits im Klappentext als «nur noch eine zu Eis erstarrte, blasse Bifi» betitelt wird. Davon zeugen ebenso weitere negative Schicksale männlicher Nebendarsteller. Die vermeintlich männliche Polizeigewalt ist durch einen Einheitstyp von Roboter ersetzt worden. Und ein auf der Straße lebender Obdachloser wird auf obskure Weise seinen Penis los. Die skurrilen Identitäten stellen Gegensätze dar, welche konservative Rollenbildern auf den Kopf stellen und geschlechtsspezifischen Klischees eine Absage erteilen.

Sprachlich ist der Roman ausgestattet mit bildhaften Metaphern, Übertreibungen bis in die Unendlichkeit und einem äußerst lebhaften Sprachgebrauch. Inhaltlich setzt der Autor auf absurde Aneinanderreihungen von Ereignissen. Beispielsweise wird die Protagonistin im Einwohnermeldeamt Zeugin davon, wie sich vor dem Fenster ein choreograferter Gruppensuizid abspielt bei dem sich etliche Personen vom Dach herunterstürzen. Um ihre Wirbelsäulenbegradigung nach ihrer langen Reise im gebückten Geochelone Gang durchzuführen, nutzt sie denselben Sprung vom Dach wie ihre toten Vorgänger. Nur im positiven Sinne. Ähnlich wie beim Träumen, setzt sich der halluzinierende Ereignisfluss aus Kontrasten und Gegensätzen zusammen. So entsteht durch die sprachliche Collagetechnik eine gewisse Widersprüchlichkeit, die eine surrealistische Lesewirkung ermöglicht. Rosinski vereint Phantastik mit gesellschaftskritischen Fragen und lädt mit seinem Debütroman «Stellarer Sog» zu einem humorvoll traumatischen Lesevergnügen ein.

– eine Rezension von Christina Amberg

»Manche Dinge gewinnen durch Unordnung – Rosinski ist Saarlands Antwort auf Jan Böhmermann.«

Christian Bauer

«Stellarer Sog» ist am 16. April 2020 in der guido Verlagsgruppe erschienen.